Das 11. Türchen

      Das 11. Türchen

      Nikolaus hatten sie hinter sich gebracht. Nie würde Radar die leuchtenden Augen der Waisen vergessen. Er schaute versonnen von seiner Schreibmaschine auf. Langsam wurde es eng für seine Weihnachtsüberraschungen! Damit es wirklich eine Überraschung werden würde musste er allerdings noch endlich eine Idee für eine perfekte Überraschung haben. Mindestens eine halbperfekte Überraschung. Oder sonst irgendwas! Naja, wenn sie Pech hatten, würden sowieso wieder alle im OP stehen und Weihnachten würde ausfallen!

      Radar lugte zu seinem Bett hinüber. Es sah verlockend aus. Viel weicher, als es eigentlich war. Und sein Teddy schaute ihn mit großen erwartungsvollen Augen an, als wollte er sagen: Nun komm doch schon und kuschle mit mir. Radar winkte dem Bären verstohlen zu. Dann wandte er sich wieder seiner Schreibmaschine zu. Der Brief an seine Mutter war schon lange überflüssig und wenn er Glück hatte würde sie den Brief noch vor den Heiligen Drei Königen bekommen.

      Liebe Mama!

      Du wirst es kaum glauben, aber dein Sohn Radar schreibt Dir endlich wieder aus dem weit entfernten und kalten Korea. Hier ist es manchmal so kalt und windig, dass wir uns die Schäle über den Kopf und um die Ohren binden, damit unsere Mützen nicht davonfliegen. In Zelten leben ist bei diesem Wetter auch nicht schön. Die Öfen sind so klein, dass sie gerade heiß genug werden um seinen Kaffee aufzuwärmen. Während des großen Sturms im November haben 12 Mann bei den Captain Pierce und Hunnicutt im Sumpf - so heisst deren Zelt - übernachtet, damit wir uns gegenseitig wärmen könnten. Es hätte ja lustig werden können, aber unser Kommandant Henry Blake schnarcht dreimal so schlimm wie Onkel Ed und Klinger von dem ich Dir ja schon erzählt habe roch wie unser alter Bulle damals. Er hatte eine Stange Knoblauchsalami inne und stäubt sich momentan immer mit so einem seltsamen Parfum ein. Zum Glück wurde es drei Tage später wieder wärmer. Das Wetter hier in Korea ist wirklich unberechenbar.

      Aber ich will Dir lieber von etwas schönem schreiben. Du weißt, dass es hier viele Waisen gibt. Alle Menschen hier sind arm, aber die Kinder sind am ärmsten. Sie hungern, sie müssen arbeiten und sie haben keine Spielsachen. Hier gibt es einen Mann, der ein Waisenhaus hat. Es ist eine kleine dunkle Hütte in der 15 Kinder auf dem Fußboden schlafen. Sie liegen dicht nebeneinander um sich gegenseitig zu wärmen. Wir hatten Lebensmittel und Decken für sie gesammelt. Der Nikolaus sollte sie ihnen bringen. Aber ich wollte, dass sie endlich auch einmal etwas für Kinder bekommen. Also machte ich mich auf die Suche nach Zuckerstangen. Und ich fand welche.

      Captain Pierce musste den Nikolaus spielen. Wir klebten ihn einen langen grauen Bart an und Captain McIntyre und ich bastelten einen Bischofshut. Als Mantel nahmen wir einen von Major Hooligans Morgenmänteln. Aber verrate es Ihr nicht, wenn Du sie mal treffen solltest. Dann rammt sie mich ungespitzt in den Boden. Wir anderen verkleideten uns auch, aber Captain Pierce sah einfach am lustigsten aus. Wir trotteten zusammen zu Waisenhaus und klopften. Die Kinder erschrecken ein wenig, aber als sie sahen, dass der Nikolaus einen Spitzenmorgenrock trug, fingen sie lauthals an zu lachen. Sie waren so laut, dass ich mich auch nicht halten konnte und auch zu kichern anfing. Captain McIntyre puffte mich in die Seite und versuchte mich streng anzuschauen, aber er zog so schiefe Grimassen, dass wir beide laut lachen mussten.

      Captain Pierce war ganz schön sauer, aber die Kinder haben gelacht und als sie die Zuckerstangen sahen wussten sie erst gar nicht was das ist. Stell Dir vor Mama, die haben noch nie Zuckerstangen gesehen.

      Es war wunderschön die Kinder lachen zu sehen und zu hören.

      Ich wünschte ich wäre zu Hause und Onkel Ed würde mich als Nikolaus verkleidet erschrecken, wie er es immer tat als ich noch klein war.

      Es grüßt und umarmt Dich

      Dein Sohn Walter
      "There is no such thing as being unnecessarily crazy about Alan Alda!"

      status: fangirl