Das 17. Türchen

      Das 17. Türchen

      Sorry .... ich habs total verschwitzt am Donnerstag :( Dabei war ich richtig zufrieden mit dem Geschreibsel.




      „Trapper, was wünscht du dir eigentlich zu Weihnachten?“ Hawkeye schaute seinen Zeltnachbarn über die OP Maske schief an. Dies war wieder eine dieser nicht enden wollenden 24 Stunden Schichten, die gleich an die letzte 24 Stunden Schicht angeschlossen hatte. Hawkeye war eigentlich gar nicht nach Smalltalk zumute, sondern hätte sich lieber in sein Bett verzogen, um sofort einzuschlafen, aber als Chefchirurg fühlte er sich eben auch irgendwie dafür zuständig, die Truppe während dieser nicht enden wollenden Schicht bei Laune zu halten.

      Radar horchte auf. Das war seine Chance! Weihnachten kam unaufhaltsam näher und sein schöner Plan, jeden mit einem kleinen Geschenk zu überraschen, schien völlig aussichtslos. Er, er der sonst immer so vor Ideen sprudelte, saß auf dem Trockenen. Schlimmer als Wüste. Vielleicht Mond oder so. Er hatte jedenfalls so gar keine Idee, und selbst wenn er nun etwas aufschnappen würde: Wer weiß, was sich noch so auf die schnelle organisieren lassen würde. Die letzten Tage waren anstrengend gewesen. Täglich kamen dutzende neue Verwundete im Camp an. Der Vorplatz glich Central Station. Die Busse standen Schlange, um Verwundete abzuladen und Verarztete wieder neu zu verteilen. Sein Schreibtisch quoll über vor Akten, Protokollen, Tagesberichten. Über das gesamte Camp hatte sich ein heilloses Chaos gelegt. Und dann war auch noch diese unsägliche Bombe auf das koreanische Dorf nicht weit von Ihrem Camp gefallen und sie versuchten nicht nur die Verwundeten zu verarzten, sondern Radar hatte auch noch Zelte, Pritschen und Decken organisiert, damit die Familien, die kein Dach mehr über den Kopf hatten, nun wenigsten in Zelte ziehen konnten.

      „Du meinst abgesehen davon, dass ich am liebsten am 25. früh unterm Weihnachtsbaum zu Hause liegen würde, oder besser schon am 24. abends, dann könnte ich wenigstens noch vorher mit meiner Frau schlafen“, antwortete Trapper und drehte sich augenrollend zu Hawley um. Seine Stimme klang mehr als gereizt und Radar zog erschrocken den Kopf zwischen die Schulter, als er just in diesen Moment neue Tücher an Trappers Tisch brachte.

      „Ok ,ok“ antwortete Hawkeye.

      „Uns geht es ja allen so, aber vielleicht gibt es ja auch hier etwas…“

      Trapper schüttelte energisch den Kopf und winkte mit der rechten Hand ab und drehte sich dabei wieder zu seinem Patienten. Fast hätte er Radar das Skalpell zwischen die Augen gejagt, aber dieser hatte die Szene aufmerksam genug verfolgt und war schnell einen Schritt zurück gegangen und dabei mit Oberschwester Major Margaret Houlihan zusammengestossen.

      „Passen Sie auf, Sie Tölpel“, raunzte sie Radar an.

      „Vergiss es Hawkeye", sagte Trapper.

      „Hier gibt es nichts, das mir zu Weihnachten eine Freude machen könnte. Das einzige, was mich freuen würde, wäre diese Tage durchzuschlafen und gar nicht mitzubekommen, das Weihnachten ist.“

      Hawkeye beschloss, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Jedenfalls was Trapper bedarf. Der war müder als müde und das machte ihn ungenießbar und bitter. Die beiden waren sich doch so unglaublich ähnlich in diesen Punkten. Wann hatte Trapper eigentlich seine letzte Pause gemacht? War das heute, gestern oder vorgestern gewesen? Heute irgendwann ganz früh hatte er ihn vor die Tür schicken wollen, um sich mal eine Stunde aufs Ohr zu legen, aber dann kam dieser Notfall rein, der auf keinen Fall warten konnte. Wer konnte hier schon warten! Jeder war ein Notfall. Verdammt! Hawkeye beschloss Trapper nach diesem Patienten ins Bett zu schicken. Es war ohnehin schon unverantwortlich, was für Schichten sie hier hatten, aber es nützte niemandem, wenn die die Chirurgen so müde sind, dass sie Fehler machen würden. Einer würde eben warten müssen. Oder Frank würde den Patienten übernehmen müssen.

      Apropos Frank. Was raunzte Major Houlihan schon wieder durch den OP. Die Oberschwester lies ihn frösteln. Gut, sie war sexy, aber er mochte sie dennoch nicht mal mit der Kneifzange anfassen. Ah, da war sie ja, sie hatte es mal wieder auf den armen Radar abgesehen.

      „Und Sie, Major Houlihan, was wünschen Sie sich denn, das der Weihnachtsmann unter den Baum legt?“, fragte er in der Hoffnung, dass sie Radar in Ruhe lassen würde. Der arme Kerl war kreideweiß im Gesicht. Die Spannung im OP schlug ihm, dem kleinen Jungen aus der heilen Welt in Iowa, auf die Seele.

      Der Major hatte die Augen zusammengezogen und wandte ihren eisigen Blick Hawkeye zu.

      „Wollen Sie mir etwa was schenken“, spöttelte sie Hawkeye an.

      Hawkeye legte den Kopf unschuldig schief und versuchte sie versöhnlich anzublicken. Dass er und Major Houlihan nicht gut miteinander auskamen war kein Geheimnis. Eigentlich kam niemand gut mit ihr aus, aber er wollte mit allen Mitteln verhindern, dass die Stimmung im OP kippte. Bisher war ihm das, sagen wir mal, gar nicht gelungen. Hawkeyes Gehirn arbeitete auf Hochtouren. Was um alles in der Welt war nun die richtige Antwort. Er war ja nun wirklich nicht auf den Mund gefallen, aber hier war Fingerspitzengefühl gefragt und auch wenn er ein ausgezeichneter Chirurg war, beim Zwischenmenschlichen war er eben doch ein rechter, ja, .. eben nicht so geschickt. Schnell! Sie wird misstrauisch. Hawkeye merkte, wie ihm der Schweiß auf die Stirn schoss, doch da kam ihm ausgerechnet Frank Burns zur Hilfe.

      Major Houlihan funkelte Hawkeye herausfordernd an. Sie hatte die Arme überkreuzt. Offensichtlich war ihm in den letzten zwei oder drei Sekunden keine Antwort eingefallen. Vielleicht war er auch kurzzeitig eingeschlafen oder ein Zeitreisender in einer Polizeibox hatte ihn entführt, um mit ihm die Welt zu retten, er wusste es nicht.

      „Also“, sagte Frank Burns mit seiner piepsigen aber festen Stimme.

      „Wenn jemand Major Houlihan ein Geschenk unter den Weihnachtsbaum legt, dann bin ich das!“

      „Frank?“, fragten Trapper und Hawkeye einstimmig, etwas erstaunt, denn normalerweise versuchten die beiden ihre Affäre wenigstens zu verstecken, denn dies war ja schon fast ein Eingeständnis, dass zwischen den beiden etwas lief, was eigentlich nicht laufen sollte.

      Auch Margaret blickte Frank entsetzt an. Doch dann wurde Ihr Blick sanfter. Würde er es wirklich tun. Würde er zu Ihr stehen, seine Frau verlassen, sie heiraten, … Margaret fing an zu träumen.

      Frank richtete sich auf.

      „Captains!“, fing er an.

      „Major Houlihan ist eine Dame und ein Major und nur einem Gentleman und Major wie mir steht es zu Ihr - von Kollege zu Kollege - ein Geschenk zu machen. Sie glauben doch wohl nicht, dass ein ordinärere Captain wie sie einem Weltklassemajor wie ihr ein Geschenk machen könnte.“

      Hawkeye biss sich auf die Zunge. Fast hätte er laut losgelacht. Trapper drehte sich zu ihm um und zwinkerte ihm zu. Alle schienen innerlich zu grinsen. Alle, außer Major Houlihan, die innerlich mit dem Fuß aufstampfte und Frank einen grimmigen Blick zuwarf.

      Die Stimmung im OP war wieder hergestellt und Stille zog wieder ein. Die Instrumente klapperten auf den Tabletts und die Chirurgen gaben in ruhiger, aber bestimmter Stimme ihre Anweisungen, die die Schwestern bereitwillig befolgten.

      Nur Radar war bedrückt. Das war seine Chance gewesen. Jetzt musste Ihm einfach was einfallen.

      Er blickte sich um. Überall war Blut. Auf den Instrumenten, den Kitteln der Ärzte, auf den Patienten, auf dem Boden. Der ganz OP war rot. Plötzlich färbte sich alles rot. Das nächste, an was er sich erinnern konnte war, dass Schwester Kelly ihm Luft zufächelte und auf ihre eigene, ganz sanfte Art mit ihm sprach. Er war ohnmächtig geworden und lag nun wieder auf seiner Pritsche. Kelly nickte ihm zu und sagte, er solle schlafen. Aber das würde er nicht tun. Endlich hatte er eine Idee. Und die musste in die Tat umgesetzt werden!!

      "There is no such thing as being unnecessarily crazy about Alan Alda!"

      status: fangirl